Die Mühle Rottluff ist sowohl kulturhistorisch und auch technisch ein Denkmal mit besonderer Bedeutung für die Stadt Chemnitz. Auf dem Gelände wurde der weltbekannte Expressionist Karl Schmidt-Rottluff geboren und zugleich gehört die Mühle mit ihrer Technik zu den größten noch erhaltenen im Raum Chemnitz.
Bei der Rottluffer Mühle handelt es sich um den urkundlich seit 1548 belegten Standort einer Wassermühle mit Mühlgraben am Abzweig des Dorfbaches, der jetzt Pleißenbach heißt.
1883 erwirbt der Mühlenwerksführer Friedrich August Schmidt das Mühlengrundstück. Hier wird am 01.12.1884 sein Sohn Karl Schmidt geboren. Dieser wird unter dem Namen Karl Schmidt-Rottluff weltweit bekannt.
1892 vernichtet ein Brand die alte Mühle.
1893-94 erfolgt der Neuaufbau der heute noch erhaltenen Mühle als Dampfmühle mit Wohnung für die Familie Schmidt. Die Mühle wurde später per Elektromotor (noch erhalten) angetrieben. Sie verfügt über vier Walzenstühle. (Ein Walzenstuhl ist eine Zerkleinerungsmaschine in der das Mahlgut zwischen rotierenden Walzen aufgebrochen und zerrieben wird. Diese Bauform der Mühle ist heute noch die verbreitetste in industriellen Getreidemühlen.) Heute sind mit Walzenstühlen, Mahlgängen und Transmission fast alle technischen Details erhalten.
Die Mühle Schmidt belieferte zu ihrer Zeit zahlreiche umliegende Bäckereien.
Sohn Karl wohnte von 1894 bis 1905 in der elterlichen Wohnmühle, bevor er nach Dresden ging, um Architektur zu studieren. Hier kam er durch Erich Heckel – den er schon seit 1902 aus seiner Schulzeit in Chemnitz kannte – in Kontakt mit Ernst Ludwig Kirchner. Gemeinsam gründeten sie mit Fritz Bleyl 1905 die Künstlergemeinschaft „Brücke“.
1913 erfolgte der Verkauf der Mühle aus gesundheitlichen Gründen. Friedrich August Schmidt baute 1913/1914 aus dem Verkaufserlös ein neues Wohnhaus (Limbacher Straße 382), das heute mit zum Ensemble Karl Schmidt-Rottluff gehört und das von der Stadt zu einem Museum ausgebaut wird.
Der Verkauf der Mühle erfolgte an Paul Kaden, einem Schwager von Bäckereibesitzer Emil Reimann. Kaden war Mitbegründer der Sächsische Brotfabrik-Union Reimann & Kaden.
Die Mühle wurde vom ihm bzw. von seinen Erben, der Familie Crasser, bis nach dem 2. Weltkrieg weiter betrieben. 1935 erfolgte der Einbau eines Getreidesilos in den ehemaligen Wohnbereich der Familie Schmidt mit Deckendurchbrüchen und mit der Entfernung von Mauern, die die Zimmer abtrennten. Der Anbau eines Getreidesilos wurde von der damaligen Gemeinde Rottluff abgelehnt.
Die Familie Crasser wohnte im Gebäude rechts vom Mühleneingang (heute Eigentum der Familie Lorenz).
Durch den Einbau des Silos blieben die ursprünglichen Wandfassungen in dem Wohnbereich der Familie Schmidt erhalten, die inzwischen aufwändig restauriert wurden.
Nach 1945 wird die Tochter Paul Kadens, Dora Crasser, in den Bauakten als Besitzerin der Mühle benannt. Die Mühle wird jedoch später von der LPG / VEG als Mischfutterwerk genutzt und Ende der 1970er /Anfang der 1980er Jahre stillgelegt.
Die Mühle Rottluff war bereits Bestandteil der ersten Denkmalliste der Stadt aus dem Jahr 1980 und ist im Verzeichnis der Kulturdenkmale des Freistaates eingetragen.
Nach der Wende (1991) ging die Wohnmühle an die Familie Crasser zurück, die sie an eine Berliner Immobilienfirma verkaufte, die das Denkmal verfallen ließ. Nachbar Lorenz wollte das Gebäude erwerben mit dem Ziel, es abzureißen. Darüber musste er aber die Kommune informieren.
Deshalb wurde 2007 das Vorkaufsrecht der Stadt Chemnitz gemäß Sächsischen Denkmalschutzgesetzes ausgeübt. 2008 wurde der Kaufvertrag mit Familie Lorenz abgeschlossen.
2009/2010 erfolgte die Sanierung von Dach, Fassaden und Decken im Rahmen des Konjunkturpaketes II durch die Stadt. Die Investition lag bei rund einer halben Million Euro.
2014 wurde der Fördervereines Karl Schmidt-Rottluff Chemnitz e.V. gegründet, der sich dem gesamten Ensemble mit Landhaus und Mühle widmet.
Der Leihvertrag über die Mühle sowie das Grundstück zwischen Förderverein und Stadt wurde im Jahr 2017 abgeschlossen.
Seitdem hat der Förderverein mehr als eine halbe Million Euro investiert.
Die Mittel kamen u.a. von Bund, Land Sachsen sowie dem Denkmalschutz und der Stadt Chemnitz. Hinzu kommen Sender und Sponsoren, darunter die Volksbank Chemnitz, die Sparkasse Chemnitz sowie Einwohner, Vereine und Institutionen. Allein durch das Bundessonderprogramm Denkmalschutz wurden ca. 200.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Am 1. Dezember 2024 wurde die Wohnmühle in Vorbereitung des europäischen Kulturhauptstadtjahres Chemnitz 2025 als Teil der Interventionsfläche „Karl-Schmidt-Rottluff- Ensemble“ eröffnet .